Svenja Maaß
Svenja Maaß: fooop! November 2012
Verwendete Svenja Maaß bisher überwiegend Leinwand als Malgrund, ist es in ihrer aktuellen Reihe mit dem Titel »Vellums« anders. Die Künstlerin malt die fragmentarisch als »cut- outs« angelegten Motive in Öl auf Pergamentpapier, ohne, wie es bei den Leinwänden der Fall wäre, den gesamten Bildraum malerisch zu bearbeiten. Anschließend werden die fertigen Blätter objekthaft vor dunklem Grund montiert, so dass der halbtransparente Eindruck des Papiers erhalten bleibt.
Was reizt die Künstlerin, sich von der Tafelmalerei zwischenzeitlich ab-, und dem Pergament zuzuwenden? Zum einen ist es die Unmittelbarkeit, mit deren Hilfe Ideen ohne Grundierung direkt auf das Papier gebracht werden können. Aber auch das Material an sich ist reizvoll, setzt die Künstlerin doch bereits mit dem Titel der Serie ein deutliches Zeichen: »Vellum« ist die lateinische Bezeichnung für das aus Kälberhaut produzierte, historische Pergament, beziehungsweise für auf diesem Material Geschriebenes oder Gemaltes. Mit dieser Information betritt man die Welt der Künstlerin. Das Schockierende angesichts des Titelursprungs bringt den Betrachter leicht aus dem Rezipienten-Tritt. Beruhigend zu wissen, dass Pergament heute aus Zellstoff hergestellt wird…
Auf den ersten Blick mag man diese experimentell anmutenden Arbeiten für Vorstudien zu den Gemälden der Künstlerin halten; Bildelemente werden meist ohne räumliche Bezüge auf dem Blatt positioniert und mehr oder minder detailliert ausgearbeitet. Tatsächlich sind die Arbeiten jedoch nicht weniger kurios und eigenständig als es die Gemälde sind.
So hält ein Eisbär, von dem wir nur den Oberkörper zu sehen bekommen, ganz disparat ein Dreieck unter dem Arm, das in Gerhard Richter-Manier farbig gerakelt ist. Ein durchaus selbstbewusstes Lebewesen präsentiert sich, nicht ausschließlich niedlich, wie es der Berliner Eisbär Knut wäre, sondern mit profilierter Kopfhaltung, so, wie sich ein Gelehrter der Renaissance hätte porträtieren lassen. Ganz in diesem Sinne hält der Eisbär ein wissenschaftliches Attribut unter den Arm geklemmt und trägt seinen Pelz wie eine kostbare Robe am Leibe. Diese Identitätsfindung wird mittels einer flimmernden Malerei in aller Selbstverständlichkeit kolportiert. Warum?
Geschickte Täuschung unserer Erwartungen an Material, Motive, künstlerische Technik und Botschaft ihrer Bilder kommen bei Svenja Maaß wie ein vorlautes Dada- Gedicht daher. Anstatt Antworten zu präsentieren, befragt die Künstlerin das Verhältnis der Bildelemente zueinander, Analogien und Gegensätze aufspürend, während nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint.
In der »fooop« betitelten Ausstellung (»fooop« ist der comicsprachliche Begriff für Verwandlungen aller Art) stellt die Künstlerin ihre Arbeiten auf Leinwand und Pergament einander gegenüber. Ein Schelm, wer (gar nichts) Böses dabei denkt.
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Svenja Maaß: Wohingetis, September 2011
Fast immer Tier und Mensch à la Collage miteinander zu vermischen, zieht sich konstant durch Svenja Maaß Werk. Dies kann so weit gehen, dass man seinen Augen nicht traut und einem der eine oder andere fabelhaft humorige Einfall im Halse stecken zu bleiben droht.
In leichtfüßiger Adaption von Motiven und Techniken der Kunstgeschichte entstehen ihre surreal anmutenden Bildwelten. Die Künstlerin bringt Tier und Mensch miteinander in Situationen, die real nicht stattfinden könnten. „Noch nicht!“, will man hinzufügen. Mindestens Science Fiction Atmosphäre schleicht sich ein, wenn ein Mann vom Typus eines nackten Adam, wie zur Verdeutlichung der Ur-Frage „Wohin geht es?“ mit gestrecktem Arm in eine unbestimmte Richtung weisend auf einem locker gezäumten Schaf sitzt. Das so ungewohnt von ihm berittene Schaf wiederum zweckentfremdet einen Tigerrochen zu seiner Liegewiese. Zudem verhehlen die spezielle Farbigkeit und der dichte Farbauftrag nicht, dass hier keine heitere Fabelgeschichte erzählt werden soll, auch wenn Mensch und Tier so unbedarft dreinschauen, dass sie in ihrer paradiesischen Umgebung kaum ernst zu nehmend wirken.
In anderen Bildern sind die Protagonisten noch eigentümlicher der Realität abhanden gekommen. Maaß VogelstraußTänzer zum Beispiel ist derart delikat gemalt, als habe man es mit einem altmeisterlichen Ganzkörperporträt zu tun. Das Fell/Federkleid lädt zum streicheln ein, wären da nicht diese muskulösen menschlichen Tänzerbeine, die aus einem prächtigen Tutu herausragen, das gar keines ist. Der dunkle Hintergrund ist, beiläufig edel und seidig gemalt, die passende Umgebung für dieses besondere Mischwesen aus Vogelstrauß und Tänzer.
Lässt man sich auf die irritierende figurative Bildsprache der jungen Künstlerin ein, so stellt sich unweigerlich die Frage nach der Deutung. Gerade weil wir es inzwischen unisono gewohnt sind, den menschlichen Einfluss auf die Natur negativ zu werten, drängen sich prompt apokalyptische Assoziationen auf und unterstützen den gedanklichen Kurs, der zudem von den wiederkehrenden Motiven christlicher Ikonographie gespeist wird. Jegliches Mischwesen, jede surreale Situation ist zugleich erschreckend und begeisternd. „Was sagt das über uns aus?“ meint man die Künstlerin fragen hören.
Geschickte Täuschung unserer Erwartungen an die Motivik, die Technik und die Botschaft ihrer Bilder kommen letztlich wie ein vorlautes Dada-Gedicht daher, denn eine Antwort erhalten wir nicht. Nicht missionarisch, ohne erhobenen Zeigefinger und weniger vordergründig interessiert sich die Künstlerin mehr dafür, wie sich Mensch und Tier im Bildraum zueinander verhalten, als uns einfach eine Antwort zu präsentieren. Man fragt sich: Wie stark kann sich der Betrachter mit der menschlichen Figur, oder auch mit dem Tier identifizieren? Wer dominiert hier wen?
Des Weiteren lässt die herausfordernde Farbraumgestaltung und die provokative Malerei den Betrachter generell dabei scheitern, in eine passiv malerisch heile Welt einzutauchen, die dem apokalyptischen Flirt der Bildelemente unschuldig gegenüber stehen könnte. Und wenn uns die Malerin auf verschiedene Fährten geschickt hat, wird sie augenzwinkernd weiterhin darauf bestehen, nichts Bestimmtes aussagen zu wollen. Die Protagonisten ihrer Bilder tun es dennoch, wenn sich der Betrachter nur darauf einlässt.
Svenja Maaß, geboren 1977, studierte Freie Kunst an der HBK Braunschweig bei den Professoren Hermann Albert und Klaus Stümpel. Sie lebt und arbeitet als freie Künstlerin seit 2004 in Hamburg.
Text: Sandra Kramer, Juni/Juli 2011
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Wohingetis
In her paintings Svenja Maaß mixes the appealing and the repugnant, and virtually always animal and human in such a way that you sometimes will not believe your eyes. Through swift adaptation of themes and techniques of art history, her surreal-appearing pictorial worlds come into being.
In one of her paintings, an ostrichDancer is painted in such a delicate manner that reminds you of a full body portrait of the old masters. The fur/plumage invites us for a little stroke, if it was not for the muscular human dancer legs that stick out of a gorgeous tutu, that actually is none.
The fantastic element continues in her painting “Wohingetis” (“Whereto”), when a man in the type of a naked Adam sits on a loosely bridled sheep, pointing with his outstretched arm in an unknown direction, as if to clarify the primal question. The so unfamiliarly mounted sheep again mistakes a tiger ray as its paradisiac relaxation lawn.
The special shades and the application of color do not try to conceal that this is not the telling of a cheerful fable. The pictures of Maaß appear dystopian, and since we are by now in unison used to evaluate the human impact upon nature as negative, apocalyptic associations come to mind.
Every chimera, every surreal situation is appalling and elating at once. “What does that say about us?” one believes to hear the artist wonder. We do not get an answer. The canny deception of our expectations of the motifs, technique and message of her pictures comes across as a forward Dada-poem. Without preaching and rather profoundly, the artist explores the relation of human and animal in the pictorial space. Looking at this apocalyptic flirtation of pictorial elements one wonders: who dominates whom?
And after setting us on different tracks, the paintress will wink and insist on not wanting to convey a specific message. Still, the protagonists of her pictures will talk, if we only listen.
Svenja Maaß, born in 1977, studied Liberal Arts at HBK Braunschweig with professors Hermann Albert and Klaus Stümpel. She lives and works as an independent artist in Hamburg since 2004.
Shorter English version of the original German text of Sandra Kramer: Jordis Lau, August 2011
Translated into English by Jordis Lau.
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1977
geboren in Bielefeld
1997
Studium der Freien Kunst an der HBK Braunschweig bei Prof. Friedemann von Stockhausen,
Prof. Hermann Albert und Prof. Klaus Stümpel
2003
Diplom mit Auszeichnung
Umzug nach Hamburg
2004
Meisterschülerin von Prof. Klaus Stümpel
2007
Lehrauftrag für Malerei an der Universität Flensburg
2008
Lehrauftrag für Malerei an der HBK Braunschweig
2010
Lehrauftrag für Malerei an der HAW Hamburg
lebt und arbeitet in Hamburg
Shows / Participations / Projects
2013
The Venue of P., Galerie Kramer Fine Art (G)
2012
fooop, Galerie Kramer Fine Art, Katalog (E)
KERN – die Frage nach dem Wesentlichen, nachtspeicher23, Hamburg
BRIDGET – am Rande der Vernunft, Überseequartier HafenCity, Hamburg
2011
Wohingetis, Galerie Kramer Fine Art, Hamburg (E)
KiC NordArt 2011, Rendsburg, Katalog
Mann & Maus, KunstRaum H&H, Köln (E)
Compilation # 1, Galerie Kramer Fine Art, Hamburg
my favourite things – Bilder einer Sammlung, Galerie auf Zeit, Braunschweig
2010
Menschliches – Allzu Tierisches, Kunstraum H&H, Köln
20. Salon Salder, Städtische Kunstsammlungen Museum Schloss Salder, Salzgitter, Katalog
tutti, Kunstverein Wolfenbüttel e.V. (E)
SVENJA MAAß & TOMOKO INAGAKI, Kunstverein Harburger Bahnhof e.V.
Metaformise, Kunstverein Emmerich e.V. (E)
hüben, Marstall am Schloss Ahrensburg, Katalog (E)
2009
Unterholz, C15 SAMMLUNG ULLA UND HEINZ LOHMANN, Hamburg, Katalog (E)
Zirkus Minimus, Walden Kunstausstellungen, Berlin
2008
Anonyme Zeichner N°9, Kunstraum Kreuzberg| Bethanien, Berlin
index 08, Kunsthaus Hamburg, Katalog
dārgumi, Museum Valmiera, Lettland (E)
Für Zimmer, Galerie 21, Braunschweig
ILLUSINEN, KunstWerk Friedberg, Friedberg bei Augsburg (E)
ANONYME ZEICHNER N°8, blütenweiss zu Gast bei meinblau e.V., Berlin
2007
BERLIN, Kunsthalle m3 , Berlin (E)
Widersehen, Kunstverein Kreis Gütersloh e.V. (E), Katalog
All sowas, Heikenwälder & Maaß, Einstellungsraum e.V., Hamburg (E)
Horror Vacui, Städtische Kunstsammlungen Schloss Salder, Salzgitter, Katalog (E)
keine zehn pferde, Kunstverein apex, Göttingen (E)
2006
Wir waren jung und brauchten das Gelb, 25 Jahre Heikenwälder & Maaß, Galerie Kunstleben, Hamburg
Klaus Stümpel und seine Schüler, Galerie der HBK Braunschweig, Katalog
Sickingen Kunstpreis 2006, Museum im Westrich, Ramstein Miesenbach, Katalog
lovely shanghai music, Shanghai Zendai Museum of Modern Art, Art Bank Space, China, Katalog
Tor zur Welt, Heikenwälder & Maaß beim Hamburger Architektursommer 2006, Galerie C15, Hamburg
1. Filminale für Fink, Fulm und Fernsehen, Filmfestspielhaus Heikenwälder & Maaß, Hamburg
Padedöh, Kunstförderverein Bildende Kunst Schöningen e.V., Katalog (E)
2005
Entsorgungspark für funktionslose Kunst im öffentlichen Raum, Kunstverein Hildesheim
lovely shanghai music, Kunstverein Hannover, Katalog
Die üblichen Verdächtigen, Galerie auf Zeit e.V., Braunschweig
HEIMAT- In Between im Rahmen des Festivals der Kulturen Hamburg, Katalog
Salon Salder 2005, Städtische Kunstsammlungen Schloss Salder, Salzgitter, Katalog
Meine Damen und Herren, liebe Tiere, Kunsttreppe des Hamburger Abendblatts, Hamburg (E)
HAMBURGENSIEN, Heikenwälder & Maaß, Levantehaus Hamburg
2004
Irgendwas ist immer im Rahmen der Ausstellung Der Raum. Die Wand. Das Buch.
MeisterschülerInnen 2004, Galerie der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Katalog (E)
2003
MONTJUIC, Galerie auf Zeit, Braunschweig (E)
junge kunst in alten mauern, Kunstkreis Kloster Brunshausen, Katalog (E)
Prizes I Scholarships
2008
Stipendium „Künstler zu Gast in Harburg e.V.“
2004
Akademie Schloss Solitude, Prix special Werner Enke für den Daumenkinofilm Rolling Home,
Erstes Internationales Daumenkinofestival, Stuttgart, Katalog
2004
Zeitsicht Kunstpreis 2004, Augsburg
2004
Gruner und Jahr-Förderpreis im Rahmen von art meets großneumarkt III
für die Arbeit Elblinge, zusammen mit Peter Nikolaus Heikenwälder, Katalog
2001
Sechsmonatiges Stipendium an der Universitat de Barcelona
