Bea Winkler


ODD PATTERNS – Malerei und Wandmalerei, März 2012

Die seltsam versponnenen Muster (Odd Patterns) ihrer Leinwandgemälde und Wandmalereien bezieht Bea Winkler in ihrer aktuellen Ausstellung in einer raumgreifenden Installation direkt aufeinander. Auf den Wandflächen entsteht eine intensive, miteinander korrespondierende Farbigkeit, die kaum zufällig anderen Kulturen verwandte Farb- und Formelemente zeigt. Mit offenem Blick sammelt die Künstlerin in ihrem Alltag und auf Reisen Muster- und Farbeindrücke. Manches Mal wird sich der Betrachter dabei ertappen, sich an einen bestimmten Ort oder an eine Jahreszeit erinnert zu fühlen.

So unterschiedliche Behandlung die Malgründe Leinwand und Wand auch verlangen, so entstehen die Gemälde und die Wandmalereien jeweils im malerischen Prozess. Auf eine mit Buntstift vage definierte Grundstruktur wird Tusche so flüssig aufgetragen, dass beinahe alle handwerkliche Kontrolle verloren geht und der Eindruck gewollter technischer Unvollkommenheit über dem gesamten Ensemble liegt.

So werden die Leinwände auf dem Boden liegend im Atelier bearbeitet und die Farbpigmente der frei auseinander fließenden Tuschefarben können in die nasse Leinwand hinein sickern. Von Buntstiftlinien strukturiert, entstehen Formen, die lebendig über- und ineinander versinken. Dabei bilden sie farbig wässrige Ausblühungen, oft zeigen sie perspektivische und skulpturale Form und Tiefe. Der Malgrund wird bei diesem Verfahren nicht unter Grundierungen neutralisiert, sondern mit seiner Oberflächenstruktur bewusst sichtbar gemacht und damit untrennbarer Teil des gesamten Bildes.

Die Wandarbeiten fordern eine andere Vorgehensweise. Bea Winkler entwickelt Buntstiftlinien über die Flächen und bezieht Lichtverhältnisse und Architektur korrespondierend in das entstehende Bild mit ein. In das Grundgerüst der Linien wird hauchzart eine an Aquarellmalerei erinnernde Tuschemalerei eingebettet. Besonders reizt die Künstlerin an ihrer spezifischen Technik der Wandmalerei, Bezüge zur Architektur herzustellen, wie sie es in früheren Graffiti Experimenten bereits kennengelernt hatte.

Bea Winkler war Meisterschülerin für Malerei bei Prof. Erwin Gross an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Seit acht Jahren lebt und arbeitet sie in Hamburg.


Text: Sandra Kramer, Februar 2012

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Bea Winkler

* München 1970, lebt und arbeitet als freie Künstlerin in Hamburg

Studium

2002 – 2003
Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe, Meisterschülerin
1997 – 2003
Studium Malerei/Grafik bei Prof. Erwin Gross an der Kunstakademie Karlsruhe

2006-2008
Mitarbeit bei KX., Hamburg
2001-2004
Mitarbeit in der Produzentengalerie POLY e.V., Karlsruhe

Ausstellungen (Auswahl)

2012
tilted surface, Das Esszimmer – Raum für Kunst+, Bonn (E)
dark and radiant corners, LINDA, Hamburg (E)
ODD PATTERNS, Galerie Kramer Fine Art (E)
2011
Labskaus, Gruppenausstellung mit KünstlerInnen aus Hamburg, Berlin und Luxemburg, Kunsthaus Speckstraße, Hamburg
Compilation #1, Gruppenausstellung, Galerie Kramer Fine Art
2010
VON DER LINIE, KOPFÜBER, Gudrun Löbig und Bea Winkler, Galerie Kramer Fine Art
2009
fragile construction of budenzauber, Hinterconti, Hamburg (E)
0X/01 Frise Kunstkammer, Projekt von Poliflur, Frise, Hamburg
2008
Regionale9, Ausstellungsbeteiligung, Kunsthalle Basel
frozen -> super fast…, SKAM, Hamburg (E)
2007
M.O.M.A. Eidelstedt, Ausstellungsbeteiligung, Hamburg
und2, Ausstellungsbeteiligung, Karlsruhe
2006
index 06, Kunsthaus Hamburg
Endrundenteilnehmer Förderpreis Kunststiftung der Sparkasse Magdeburg
Peripherie, hafen+rand, Hamburg (E)
2005
Off Season, KX., Hamburg (E)
Panorama Inn, Poly, Karlsruhe (E)
2003
Poly*, Gemeinschaftsausstellung, Orgelfabrik Durlach
MeisterschülerInnen TOP 3, Gemeinschaftsausstellung, Kunsthalle Baden-Baden
2002
1st floor, Deckenprojekt, Poly, Karlsruhe (E)
Winterausstellung/Preis der Akademie, Kunstakademie Karlsruhe
2002
Fassade, Hausfassadenprojekt, Gemeinschaftsausstellung, Poly , Karlsruhe
A la Pointe de’l Ouest, Gemeinschaftsausstellung, Quimper, Bretagne
2001
Demokratie, Gemeinschaftsausstellung, Marichef, Karlsruhe
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Bea Winkler and Gudrun Löbig, Diving off the line

Bea Winkler’s wall painting directly refers to the architecture of the Gallery, which is located in the landmarked Altstädter Hof since 2010, built after the design by Rudolf Klophaus in 1936/37.

Space and its realization in the medium of painting also are the themes of her large-scale pictures. In her form language, the artist moves between urbanity, computer graphics and natural phenomena. By exaggerating and tilting the perspective, she uncovers the strategies of Illusionism. Winkler studied liberal arts as the master student of Erwin Gross at Kunstakademie Karlsruhe, and finished her studies honoured with the award of the academy in 2004.

Line and color meet in varying intensity in the works of the paintress and architect Gudrun Löbig. With her small-scale works on paper, she creates intimate atmospheres and emotional essences, sometimes eruptively strong, sometimes delicate, almost vanishing and dissolving.

Lines and patches of color lean against each other, connect and interlace in the space. For her diary-like paintings that she paints at night, apart from grease crayon and acrylic she uses less conventional materials such as children’s glitter pens, ballpen and graffiti spray paint; abstract and expressive.
Text for the exhibition in summer 2010: Sandra Kramer and Bea Winkler, June 2010
Translated into English by Jordis Lau.