Anna Gestering


Malerei

Vor etwas mehr als einem Jahr stellte Anna Gestering unter dem Titel „SEEN“ erstmals in der Galerie Kramer Fine Art ihre außergewöhnlichen Arbeiten aus. Seinerzeit entstanden die Bilder in nahem Bezug zur Fotografie, und entwickelten doch einen hohen malerischen Abstraktionsgrad. Auf den meisten Bildern war Landschaft Teil von Situationsporträts, auf denen häufig auch Kinder zu sehen waren.

In den neuen Arbeiten der Künstlerin ist der Mensch nicht mehr derart präsent und es gibt keine fotografischen oder filmischen Bildbezüge, wie zuvor. Ihr Interesse hat sich verlagert, während sie den künstlerischen Faden weitergesponnen hat.

Nun zeigt sie Arbeiten, die einen klaren Landschaftsbezug haben, obwohl eine typische, gar reale Landschaft gar nicht zu sehen ist. Vielmehr entsteht Landschaft aus einer malerisch verdichteten Abstraktion, bei der es vertikale Formen sind, die den Betrachter ganz selbstverständlich an gewachsene Bäume erinnern. Genau wie die Farben einer insgesamt gedeckten, überwiegend braunen, grünen, gelben und rotbraunen Palette notwendig die Vorstellung von Natur und Landschaft bei uns auslösen.

Analog zur organischen Form des Baums wird nun der Malprozess selbst thematisiert, indem sie die Farbe noch freier als zuvor in Schichten nebeneinander und übereinander aufträgt. Unterdessen reagiert sie während des Entstehungsprozesses auf die spontanen Erfordernisse des Bildes. Aus den Farben werden kommunizierende Formen, die jedoch unkonkret bleiben. Als Halt gebende Form dient die Baumstruktur, die einzig als deutlich hervortretende Form die Bildfläche ordnet, so dass, orientiert an der Vertikalen, die Malerei entsteht.

Der Baum hat insofern nicht nur als Form, sondern auch als Symbol zentrale Bedeutung in Gesterings jüngsten Arbeiten. Er ist unter anderem Sinnbild für Vergänglichkeit und Wachstum, wie er auch für Verwurzelung, Halt und Geschichte steht.

Anna Gestering lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der HfBK in Hamburg und schloss 2009 ihr Studium der Malerei bei Prof. Norbert Schwontkowski ab.

Text: Sandra Kramer, April 2012

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SEEN

In den Gemälden Anna Gesterings wird die Flüchtigkeit der Erinnerung an Gesehenes schon in der Art des Farbauftrags sichtbar: Über die Leinwand in lichten Tönen hinweg schwebende Farbe setzt sich an anderer Stelle kontrastierend in dunkleren Tönen fest, Formen tauchen zugleich in unterschiedlichen Tempi über- und ineinander. Gewandt lassen ihr Malgestus und die Farbkomposition das Dargestellte zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion hinter sich.

Die Künstlerin interessiert sich für allgemeine Bildmuster und deren stilbildende Farben, Strukturen und Formen, wie sie nicht nur in der Kunstgeschichte vorkommen. Ihr Interesse gilt u.a. auch älteren privaten Fotografien mit ihren zeitspezifischen Merkmalen, die heute bei uns an etwas Innerem rühren, wenn wir sie betrachten.

Die unaufgeregten Situationsporträts, die Gestering auf Basis dieses „Bildgedächtnisses“ entwirft, zeigen meist Gruppierungen von Menschen im Miteinander, wobei es ihr nicht um die Abbildung von Wirklichkeit geht. Im malerischen Prozess entsteht ein originäres, davon losgelöstes Bild, das die hohen schöpferischen und malerischen Fähigkeiten der Künstlerin zeigt. Sie tut mit ihrer Malerei etwas, das die Malerei weitaus besser kann als die Fotografie, wenn sie einen ephemeren, nicht sichtbaren Teil unserer Vorstellungswelt entstehen lässt.

Gestering studierte an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und beendete 2009 ihr Studium der Malerei bei Prof. Norbert Schwontkowski.

Text: Sandra Kramer, anlässlich der Ausstellung “SEEN” im Januar 2011

SEEN

In Anna Gestering’s paintings, the fleetingness of the memory of the seen is already visible in the application of color: Light shades of color float across the canvas and arrange themselves in contrasting darker shades in another spot, while shapes merge into one another in different tempi. Adeptly, her painterly gesture and composition of color leave behind the depiction between figuration and abstraction.

The artist is interested in overall image patterns and their style defining colors, structures and shapes that occur not only in art history. Among others, she also takes an interest in old private photographs and their time specific features that move something within us when we look at them.

Gestering creates her unagitated portraits of situations based on this “picture memory”. Most of her paintings of groups of interacting people are detached from the representation of reality. The process of painting rather produces an original picture that shows the high creativity and technical skills of the artist. With her work she makes use of the advantage of painting over photography, when she creates an ephemeral, not visible part of our imagination.

Gestering studied painting at Hochschule für bildende Künste in Hamburg with Prof. Norbert Schwontkowski until 2009.

Text: Sandra Kramer, 2011
Translated into English by Jordis Lau.

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CV

*1982

lebt und arbeitet in Berlin

Studium

2003-2009 Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg
2008 Gastsemester an der HGB Leipzig
2009 Diplom bei Prof. Norbert Schwontkowski

Ausstellungen

2012
Malerei, Galerie Kramer Fine Art, (E)
Dwelling In Possibility, Hoeppnerstr., Berlin, (G)

2011
SEEN, Galerie Kramer Fine Art, (E)
Compiliation #1, Galerie Kramer Fine Art, (G)